Nachruf Erich Deil (20.05.1924 – 10.05.2019)

Erich Deil (20.05.1924 – 10.05.2019)

Erich Deil gründete 1970 gemeinsam mit dem Pfarrer Dieter Linz die Ratinger Gruppe von Amnesty International. Mehrere Jahrzehnte lang war er Sprecher der Gruppe und beteiligte sich noch mit über 90 Jahren an ihrer Arbeit. Sein Engagement und seine Bekanntheit in Ratingen halfen unter anderem dabei, unzählige Unterschriften gegen Menschenrechtsverletzungen zu sammeln. Immer wieder wies er dabei darauf hin, dass eine Unterschrift wenig bewirke, dass tausende Unterschriften von Menschen aus der ganzen Welt aber durchaus Veränderungen herbeiführen könnten.

Seine Sensibilisierung für menschenrechtspolitische Themen begann während des Zweiten Weltkrieges, als er miterlebte, dass ein Schulfreund mit jüdischen Vorfahren vor den Nazis nach England fliehen musste. Ausgehend von seiner Erkenntnis, dass die Menschenrechte auch nach dem Krieg schutzbedürftig sind, entschloss er sich zur Gründung der Ratinger Amnesty-Gruppe.

Bei der Arbeit für Amnesty lag sein Hauptaugenmerk stets auf der Unterstützung von gewaltlosen politischen Gefangenen, die allein aufgrund der friedlichen Ausübung ihres Glaubens oder des Gebrauchs ihres Rechts auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit hinter Gittern saßen.

Das durch ihn wesentlich vorangetriebene Engagement innerhalb der Gruppe für diese Gefangenen hat dazu beigetragen, dass in Zusammenarbeit mit anderen weltweit agierenden Gruppen über 200 Gefangene freigelassen werden konnten.

Ein Beispiel für sein erfolgreiches Wirken war sein Engagement während der 70er Jahre für einen jungen Spanier, der sich für die Souveränität des Baskenlandes einsetzte. Dafür kam er unter dem Franco-Regime ins Gefängnis, wurde aber aufgrund internationaler Proteste – nicht zuletzt der Ratinger Gruppe – freigelassen. Anschließend besuchte er zusammen mit seiner Frau Erich Deil in Ratingen und nannte seinen neun Monate später geborenen Sohn Erich.

Erich Deil suchte häufig Kontakt zu Botschaftern und Bischöfen im In- und Ausland. Die Zusammenarbeit mit engagierten Menschen vor Ort ermöglichte ihm einen effektiven und erfolgreichen Einsatz für die Rechte Einzelner in ihren Heimatländern. So ist auch die Aussage eines Bischofs in Nairobi, der auf die Frage „Ratingen, what is that?“ (zu deutsch: Ratingen, was ist das?)“ antwortete: „It’s a small town in Germany, but it’s a shelter for the human rights!“ (zu Deutsch: Das ist eine kleine Stadt in Deutschland, aber ein Schutzraum für die Menschenrechte.) im Wesentlichen auf die Arbeit von Erich Deil zurückzuführen.

Die Ratinger Amnesty  Gruppe wird Erich Deil als unermüdlichen Kämpfer für die Menschenrechte in Erinnerung behalten. Wir verabschieden uns von ihm in tiefer Dankbarkeit. Sein Lebenswerk für Amnesty wird unvergessen bleiben.

In stillem Gedenken
Die Amnesty-Gruppe Ratingen