Die Ratinger Amnesty Gruppe hatte für Dienstag, den 03.03.2026 in Kooperation mit der VHS Ratingen Frau Mariam Claren nach Ratingen eingeladen, um mit ihr über ihren Einsatz für die Freilassung ihrer Mutter, der Deutsch-Iranerin und Frauenrechtlerin Nahid Taghavi, aus iranischer Gefangenschaft zu sprechen.
Es waren rund 30 Interessierte ins Lesecafé des Medienzentrums gekommen, um Frau Clarens Ausführungen und Erfahrungen zu hören. Das Ensemble Siyavashan stimmte das Publikum mit iranischer Musik auf das Thema ein. Die Musiker hatten iranische Gedichte als Thema ihrer Lieder genommen und diese dann stimmungsvoll vertont; eine Übersetzung der Gedichte wurde dazu gezeigt.
Aufgrund der aktuellen Ereignisse im Iran, die sich seit der gewaltsamen Niederschlagung der Massenproteste im Januar nun zu einem Krieg entwickelt haben, gab Mariam Claren zunächst einen Bericht von ihren Kontakten im Iran und eine Einschätzung der Lage wider.
Im nachfolgenden Gespräch mit Sascha Samadi von der Ratinger Gruppe berichtete Frau Claren viele Details von ihrer Mutter: Wie sie verschwand, wie nach zwei Tagen herausgefunden werden konnte, dass sie und drei ihrer Freundinnen ins berüchtigten Evin-Gefängnis in Teheran gebracht wurden. Evin ist eine der berüchtigtsten Haftanstalten der Welt und steht symbolisch für die Unterdrückung politischer Dissidenten, Menschenrechtsaktivist*innen, Journalist*innen und ausländischer Staatsbürger*innen.
Die Anklagepunkte konnten erst viel später herausgefunden werden, Nahid Taghavi wurde dann im Oktober 2020 wegen angeblicher Beteiligung an einer „illegalen Gruppe“ und wegen „Propaganda gegen den Staat“ zu zehn Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Der Prozess gegen sie war von Verfahrensfehlern geprägt und während ihrer mehr als vierjährigen Zeit im Gefängnis war sie „weißer“ Folter ausgesetzt und entwickelte infolge der Haftbedingungen zahlreiche medizinische Probleme.
Mariam Claren berichtete sehr lebendig und detailliert von den Verhältnissen in der Haftanstalt, von ihrer Arbeit und ihren Kontakten zum Auswärtigen Amt, der Bundesregierung und zur Presse, die sich aufgrund der deutschen Staatsbürgerschaft ihrer Mutter sehr für den Fall interessierte. Auch mit Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und HÁWAR.help (ihrer Organisation) arbeitete sie eng zusammen. Im Januar 2025 wurde Nahid Taghavi unerwartet freigelassen und durfte nach Deutschland zurückkehren.
Nach diesem Gespräch beantwortete Frau Claren noch interessante Fragen aus dem Publikum, nicht nur die Arbeit an der Freilassung ihrer Mutter betreffend, sondern auch, was die aktuelle Situation im Iran und mögliche Zukunftsperspektiven der Iraner*innen angeht.
Nach einem weiteren Lied der Musiker vom Ensemble Siyavashan stellten Almut, Marion und Mechtild – Mitglieder der Ratinger Gruppe – drei Fälle vor, die dank der Arbeit von Amnesty International positiv ausgegangen sind (mehr dazu unterhalb der Bildergalerie). Amnesty hatte eine aktuelle Petition zum Thema ausgelegt, die beinahe alle Anwesenden unterzeichneten.
Es war ein rundum gelungener Abend – wenn auch die aktuellen Ereignisse das eigentlich positive Thema der Freilassung von Nahid Taghavi überschatteten. Die Expertise von Frau Claren konnte jedoch vielen Anwesenden tiefgehende Informationen liefern, sodass der Weiterbildungs-Charakter der Veranstaltung mehr als gegeben war. Vielen Dank an die VHS Ratingen für die gute Zusammenarbeit!









